Nach all dem Bangle-Bashing: Wieder schön?
Der BMW Z4 von vor 20 Jahren: Bangle-Bashing in seiner Hochphase. Doch heute, mit natürlicher Distanz und der Erkenntnis, dass alles noch viel schlimmer kommen konnte, ist der Z4 im Bangle-Design schon wieder schön. Die Zeit heilt viele Wunden und der Mensch verklärt die Vergangenheit. Ottomobile erinnert an das geschlossene Topmodell, den Z4M, mit einer geschlossenen Resineskulptur.
Vor zwei Monaten ist der letzte Z4 bei Magma-Steyr in Graz vom Band gelaufen und beendete damit 23 Jahre Z4-Geschichte und, rechnet man den Vorgänger Z3 mit, 30 Jahre BMW-Roadster-Geschichte. Die letzte Generation war eine Gemeinschaftsentwicklung mit Toyota. Nischenautos werden nun mal gestrichen in diesen Zeiten. Zwar verkaufte sich der Z4 immer noch besser als das Monstrum BMW XM und dieses darf weiterhin leben. Aber das kann man nicht vergleichen. Der Koloss ist Teil einer automobilen, BMW-internen Familie. Ein Familienmitglied war der Z4 zwar auch, aber einer konzernübergreifenden Familie, nämlich der Spross der Zusammenarbeit zwischen BMW und Toyota. Wenn sich die Eltern trennen, geht das zumeist zulasten der Kinder.
Der erste Z4 zwischen 2002 und 2008 wurde in den USA gebaut, im BMW-Werk Spartanburg. Das Design besorgte der umstrittene Chris Bangle, es gab zum Roadster E85 auch ein Coupé E86. Der zweite Z4, nun ein Regensburger Würstchen mit Design aus Frauenhand (Juliane Blasi), beschränkte sich dank faltbarem Blechdach auf eine Karosserievariante, gebaut zwischen 2009 und 2016. Schon 2012 hatten sich BMW und Toyota auf die Konstruktion eines gemeinsamen Sportwagens geeint. 2018 erschien er als dritter und letzter Z4, der BMW als Roadster, der Toyota Supra als Coupé, jeweils eigenständige Karosserie, aber gemeinsame technische Basis (BMW-Design Calvin Luk, Toyota-Design Nobuo Nakamura). Im Moment ist noch beider letzter Aufguss im Abverkauf, und beide Sondermodelle tragen sinnigerweise denselben Namen, nämlich „Final Edition“ (wie originell!).
Das Ottomobile-Modell erinnert an den ersten Z4, den Chris-Bangle-Z4, den Amerikaner aus Greer. Diese Stadt in South Carolina liegt je hälftig in zwei Countys. Der östliche Teil der Stadt, wo das BMW-Werk ist, in Spartanburg County. Dort startete 1994 die Produktion des Dreier, ab 1995 der Z3, auch der Z4 für den US-Markt, aber hauptsächlich kommen aus Spartanburg die BMW-SUV – teilweise für den Weltmarkt.
Der erste Z3, nur als Roadster lieferbar, war ein „instant Hit“ in den USA und in Europa, aber nach anfänglicher Euphorie brachen die Verkaufszahlen ein. BMW reagierte im Frühjahr 2006 mit einem Facelift, neuen Motoren und dem zusätzlichen Coupé. Neues Spitzenmodell war der Z4M mit dem 343 PS starken 3,2-Liter-Reihensechszylinder aus dem M3 (E46), 250 km/h schnell, in 5 Sekunden auf Tempo 100, eine wahre Granate. Gegen Aufpreis waren sogar 275 km/h drin. Optisch unterschied sich der Z4M durch andere Schürzen und eine anders gestaltete Motorhaube, spezielle Felgen und einen Auspuff mit vier Endrohren. Das Coupé gab es als Z4 mit 3-Liter-Motor mit 265 PS sowie als Z4M. Ottomobile liebt Toppmodelle, und so ist der Z4M die logische Version als Modell aus diesem Hause.
Das Modell ist so, wie der Sammler ein Otto-Mobil erwartet: ein rundum geschlossenes, nicht rollfähiges Resine-Modell ohne jegliche Funktion, dessen Dasein sich auf die Optik beschränkt – diese Beschränkung aber in perfekter Weise inhaliert hat und alle Erwartungen erfüllt. Die Form ist rundum getroffen, das sehr dunkle Interlagosblaumetallic glänzt unverschämt schön und ist spiegelglatt aufgetragen, die Zellonscheiben absolut passgenau und wegen ihrer im konkreten Fall eher kleinen Dimensionen auch nicht „wabberig“. Die mit Ventil versehenen Felgen (18-Zoll-BMW-M-Doppelspeiche Style 135M) sehen gut aus, dahinter gelochte Fotoätz-Bremsscheiben und unauffällig graue Bremszangen – vor 20 Jahren hatte man keine lackierten Bremszangen, thematisierte die Bremsanlage nicht und der Namen „Brembo“ war so unbekannt wie ein Zündkerzen- oder Stahlfelgenhersteller, ja, wie eben die Namen der meisten Zulieferer. Vor 20 Jahren zählte die Beschleunigungszeit auf Tempo 100 und nicht der Bremsweg aus Tempo 100 – vor allem bei einem BMW mit dem Motorsport-„M“ in der Typbezeichnung. Das Chassis des Otto-Mobils ist nicht der Rede wert, der Innenraum umso mehr: herrlich zweifarbig in Schwarz/Weiß mit klasse Armaturenbrett, schönen Instrumenten, knackigem Lenkrad mit BMW-Logo auf der Nabe, was auch für die Felgen gilt: Die Mitte alles Runden ist beim Z4 weiß/blau. Und das sind nicht etwas schnöde Decals, sondern mehrfarbig ausgelegte Fotoätzteile – so, wie das große BMW-Emblem auf den Vorderkotflügeln mit dem „M“-Logo samt Motorsportfarben dahinter.
Wer den Z4 in Händen hält und ein wenig im Licht wiegt, wer das Licht aus unterschiedlichen Winkeln auf die Flanken fallen lässt, sieht die typischen Chris-Bangle-Kurven und -Kanten, die von seinen Kritikern als gewollte Beulen diffamiert wurden. Unvergessen der Spott, eine Bangle-Türe sehe aus, als habe ein Vandale mit dem Kampfstiefel dagegen getreten. Aber, Hand aufs Herz, all Ihr Bangle-Basher: Hat uns BMW nicht effektvoll vorgemacht, dass alles noch viel schlimmer kommen kann? Empfinden wir die Bangle-BMW-Schöpfungen mit dem Abstand von 20 Jahren nicht schon wieder als wohltuend? Es ist alles immer nur eine Frage des Bezugspunktes. Immerhin war Chris Bangle Chris Bangle. Die heutigen, chinesischen BMW-Designer kennt man nicht mal mehr mit Namen. Heute stylt Bangle Elektrogeräte für Samsung und hat die ikonische Hennessy-Cognacflasche neu gestaltet. Mit Autos, zumindest mit Großserienfahrzeugen, hat er nichts mehr am Hut.
afs




Modellfotos: bat

Foto: Jean-Baptiste Labrune
Steckbrief:
Ottomobile OT499 BMW Z4M (E86) Coupé 2006 dunkelblaumetallic. Fertigmodell Resine, Maßstab 1:18. Auflage 2000 Exemplare. Preis ca. 100 Euro.