Faszination Modellautos

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News 1:87 Micro City 87 Mercedes 300 SL Roadster W198/II 1957 und Porsche 964 RWB

Wahlmöglichkeiten

Micro City 87 hat sich zu einer festen Größe im H0-Modellautokosmos entwickelt. Mit jedem neuen Modell steigt die Qualität, noch besser geht bald nicht mehr. Von Lechtoys, der Micro City 87 nach Deutschland importiert, haben wir vier Formneuheiten erhalten: Mercedes 300 SL Roadster, Porsche 964 RWB, Rolls Royce Cullinan und Nissan GTR34. In einem ersten Teil präsentieren wir den Mercedes 300 SL und den Porsche 964 RWB. Die beiden anderen Miniaturen folgen bald in einem zweiten Teil. Um dem Sammler die Kaufentscheidung zu erschweren, gibt es beim Mercedes 300 SL zehn, beim Porsche 964 RWB acht Farbvarianten. Da fällt die Wahl wirklich schwer.

Als Micro City 87 das Modell des Mercedes 300 SL Roadster ankündigte, erhoben sich sofort wieder die wachsamen Stimmen der Modellautosammler: „Nein, nicht schon wieder ein 300 SL“. Aber sie hätten erst einmal genauer schauen oder lesen sollen, denn Micro City 87 baut einen Roadster. Von dieser Karosserieversion, die bei Daimler-Benz von 1957 bis 1963 in einer Stückzahl von 1858 Exemplaren vom Band lief, gibt es im H0-Kosmos weit weniger Interpretationen als vom Vorgänger, dem Flügeltüren-Coupé. Im Maßstab 1:87 kennen wir seit vielen Jahren das Modell von Wiking, trotz seines Alters ein attraktiver Dauerläufer. Und Schuco hatte den Roadster in offener und geschlossener Version mit Hardtop im ehemaligen 1:87-Programm. Micro City ist mit dem Mercedes 300 SL ein großer Wurf gelungen. Dazu trägt auch bei, dass dem Modell Teile für drei unterschiedliche Versionen beiliegen: eine Persenning (in der Farbe der Inneneinrichtung) für offenes Fahren unter blauem Himmel, ein Stoffverdeck (für Regenschauer) und ein Hardtop (anhaltendes Grau, Kälte, Schnee). Das ist eine super Idee des chinesischen Herstellers, das gab es bisher noch nie.

Es muss nicht besonders erwähnt werden, dass Micro City 87 die Linienführung des Vorbilds sehr gut getroffen hat, zusammen mit dem vielen Chrom steht ein Supermodell auf den Rädern. Wer die Inneneinrichtung genauer betrachtet, erkennt ein bedrucktes Armaturenbrett als Kirsche auf der Sahne. Jetzt bleibt nur noch die Qual der Wahl, aber drei Modelle müssen es ja mindestens sein.

Zum Vorbild des Mercedes 300 SL (300 für den Hubraum in Zentilitern, SL für super-leicht) ist schon sehr viel geschrieben worden. Wenn ein Klassiker allgemein bekannt ist, dann dieser. Die Leser der Oldtimerzeitschrift „Motor Klassik“ wählten den Traumwagen aus den 50ern zum „Sportwagen des Jahrhunderts“, vollkommen zu Recht. Vor allem der US-amerikanische Mercedes-Importeur Max Hoffman regte den Bau eines großen und eines kleinen Mercedes-Sportwagens an, für die er gute Absatzchancen in den USA sah. Als Basis des 300 SL sollte das Rennsportcoupé W194 von 1952 dienen, das aufgrund der Rennsporterfolge in den Vereinigten Staaten bereits sehr bekannt war. Der Mercedes 300 SL als Coupé mit Flügeltüren wurde ab 1954 in Europa, ab 1955 in den USA verkauft, die Roadsterversion kam 1957 auf den Markt. Der Preis des zweitürigen Sportwagens mit Gitterrohrrahmen lag bei 29000 D-Mark. Mit seinen 215 PS war der 300 SL Roadster für eine Höchstgeschwindigkeit von 235 Stundenkilometern gut, bei einer Beschleunigung von Null auf Hundert in 9,3 Sekunden. Heute ist ein 300 SL ein absoluter Hochkaräter, auch preislich, einer der begehrtesten Klassiker aller Zeiten.

Steckbrief:

Micro City MC87000922a Mercedes 300 SL Roadster W198/II 1957. Karosserie hellblau, IA schwarz; MC87000922b Karosserie hellblau, IA rot; MC87000922c Karosserie grau, IA schwarz; MC87000922d Karosserie grau, IA beige; MC87000922e Karosserie silbermetallic, IA rot: MC87000922f Karosserie rot, IA beige; MC87000922g Karosserie dunkelgrün, IA beige; MC87000922h Karosserie schwarz, IA rot; MC87000922i Karosserie cremeweiß, IA schwarz; MC87000922j  Karosserie weiß, IA schwarz. Die Bestellnummern entsprechen denjenigen von Lechtoys, der die Modelle zu je 22,50 Euro anbietet.

Rauhe Begriffe in aller Welt

Porsche-Modelle im Maßstab 1:87 gibt es unzählige, aber bisher noch keines nach dem Vorbild eines RWB (= Rauh Welt Begriff) des japanischen Edeltuners Akira Nakai, dessen Werkstatt etwa eine Stunden vom Zentrum Tokios entfernt liegt. Mithilfe von Bodykits werden hier und in ausländischen Partnerwerkstätten Fahrzeuge der Modellreihen 930, 964 und 993 in die Optik frühere Porsche-Rennwagen umgebaut. Trotz vieler Anfragen bekommt bei weitem nicht jeder Interessent einen RWB. Jeder umgebaute Porsche ist ein Einzelstück und erhält in Absprache mit dem künftigen Besitzer auch einen Namen, von Nakai-san persönlich ersonnen und getauft. Nach erfolgter Kundenbestellung werden die GfK-Teile des Body-Kits von den japanischen Zulieferern gefertigt, anschließend in die Niederlassungswerkstatt des Kunden verschickt, von diesen Partnern in Wunschfarbe lackiert, und danach von Akari Nakai vor Ort ausschließlich eigenhändig verbaut – mit großem Bahnhof und noch größerem Tamtam, begleitet von vielen Zigaretten und noch mehr Kaffee, denn diese „Laster“ gehören zu Nakai-sans Selbstinszenierung. Ein Motortuning nimmt RWB nicht vor. Ein standardmäßiger RWB Body-Kit kostet 22000 US-Dollar und enthält unter anderem Front- und Heckstoßstangen, vier Kotflügel-Verbreiterungen, ein Paar Seitenschweller, einen GT-2- oder 3.8-RS-Heckspoiler sowie Kleinteile. Optional sind spezielle Felgen von SSR oder Work Meister. Letztendlich kostet ein Umbau in einen RWB-Porsche ungefähr 40000 US-Dollar, natürlich ohne Basisfahrzeug.

Micro City 87 hat nun in 1:87 das gemacht, was schon Schuco vorher in 1:43 praktiziert hat: Eine generische Version in mehreren Farben ohne konkretes Vorbild. Das Modell entspricht sozusagen dem Standard-Umbaukit für den Porsche 964 mit der Bezeichnung „RWB 964 Wide Body“, mit breiten bolt-on-Radhäusern und Banana Wings vom 993er GT2. Korrekt hat Micro City 87 die Felgen der Bauart  SSR Professor SP1 sowie die dreiteiligen Work Meister M1 Leichtmetallradsätze nachgezeichnet.

Steckbrief:

MC 870010a Porsche 964 RWB silberblaumetallic, MC 870010b gelborange, MC 870010c schwarz, MC 870010d rot, MC 870010e hellgrün, MC 870010f weiß, MC 870010g hellblau, MC 870010h silbermetallic mit blauem Mittelstreifen. Auch hier entsprechen die Bestellnummern denjenigen von Lechtoys, der Preis beträgt je 21,50 Euro.

Vielen Dank an Günter Weirich für die Informationen zum RWB Porsche.